HÄPPI – koordinierte Primärversorgung

HÄPPI – koordinierte Primärversorgung2026-04-24T18:24:33+02:00

Angesichts des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftemangels steht das deutsche Gesundheitswesen vor einer Zäsur. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat mit dem Konzept HÄPPI (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell) eine fundierte Antwort auf diese Herausforderungen entwickelt.

In enger Kooperation mit der Universität Heidelberg ist ein Modell entstanden, das die hausärztliche Leitung stärkt und gleichzeitig die interprofessionelle Zusammenarbeit auf ein neues Niveau hebt. Es wird aktuell in Modellprojekten erprobt und wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, die hausärztliche Versorgung durch interprofessionelle Teams strukturell weiterzuentwickeln und langfristig in die Regelversorgung zu überführen.

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„Mit HÄPPI antworten wir auf den stetig wachsenden Versorgungsdruck, der unsere Praxen mehr und mehr in die Knie zwingt. Es ist unser Angebot an Politik, Kassen, aber insbesondere an die Hausarztpraxen, wie Teamarbeit künftig unter hausärztlicher Leitung und mit Hilfe digitaler Tools effizienter und zukunftsorientierter gestaltet werden kann.“

Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende Hausärztinnen- und Hausärzteverband

Die Hausarztpraxis als koordinierendes Zentrum

Ein zentrales politisches Anliegen von HÄPPI ist der Schutz vor einer weiteren Versorgungszersplitterung. Statt isolierter Anlaufstellen wie Gesundheitskiosken setzt HÄPPI auf die Bündelung der Verantwortung unter dem Dach der inhabergeführten Hausarztpraxis.

Das Konzept wirkt damit aktiv dem Trend entgegen, dass Finanzinvestoren Praxen aufkaufen, um Gewinnmaximierung auf Kosten der Versorgungsqualität zu betreiben.

HÄPPI entwickelt die hausärztliche Versorgung konsequent weiter – hin zu interprofessionellen Primärversorgungszentren, die Patientinnen und Patienten strukturiert, effizient und wohnortnah begleiten. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband treibt das Konzept dabei auf mehreren Ebenen voran: von der gesundheitspolitischen Verankerung über die wissenschaftliche Evaluation bis hin zur konkreten Umsetzung in der Versorgungspraxis.

Aktueller Stand

HÄPPI wird aktuell in Modellprojekten erprobt und wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, die hausärztliche Versorgung durch interprofessionelle Teams strukturell weiterzuentwickeln und langfristig in die Regelversorgung zu überführen.

Was ändert sich konkret?

Mit HÄPPI wird die klassische Hausarztpraxis zu einem Primärversorgungszentrum weiterentwickelt, in dem verschiedene Gesundheitsberufe eng zusammenarbeiten. Aufgaben werden stärker im Team verteilt, wodurch Ärzt:innen entlastet und Versorgungsprozesse effizienter gestaltet werden. Gleichzeitig entstehen neue Rollenprofile (z. B. für nicht-ärztliche Fachkräfte) und eine stärker koordinierte Patientensteuerung.

Welche Fristen betreffen Praxen?

Aktuell gibt es keine bundesweit einheitlichen verpflichtenden Fristen, da sich HÄPPI noch in der Modell- und Erprobungsphase befindet. Relevante Zeitpunkte ergeben sich vor allem aus projektbezogenen Ausschreibungen, Förderphasen und regionalen Pilotstarts. Für interessierte Praxen ist es daher wichtig, Entwicklungen im Verband sowie regionale Beteiligungsmöglichkeiten kontinuierlich zu verfolgen.

Strategische Ziele und Kernelemente

HÄPPI basiert auf sechs strategischen Säulen, die eine effiziente und patientenzentrierte Versorgung gewährleisten

Interprofessionelle Teampraxis

Einbindung akademisierter Gesundheitsberufe (z. B. Physician Assistants) zur Entlastung der Ärzteschaft.

Stärkung des Gatekeepings

Gezielte Steuerung der Patientenströme zur Vermeidung von Fehl- und Überversorgung.

Digitale Transformation

Einsatz von KI und hybriden Versorgungsmodellen zur Workflow-Optimierung.

Patientenzentrierung

Nutzung von Patient-Reported-Outcomes (PROs) zur objektiven Messung des Therapieerfolgs.

Gesundheitskompetenz

HÄPPI-Teams sollen durch gezielte Ansprache die GK vulnerabler Gruppen stärken.

Ambulantisierung

Modulare Erweiterung des Leistungsspektrums durch „HÄPPI-Plus“.

Nachhaltigkeit durch bewährte Strukturen

HÄPPI ist kein theoretisches Konstrukt, sondern baut konsequent auf der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) nach § 73b SGB V auf. Diese vertragliche Basis ermöglicht eine schnelle Integration in die Versorgungslandschaft und bietet die notwendige Flexibilität für regionale Bedarfe.

Mit HÄPPI legt der Verband eine Blaupause vor, wie die Primärversorgung in Deutschland durch Delegation, Digitalisierung und Vernetzung zukunftsfähig gestaltet werden kann, ohne die ärztliche Letztverantwortung und das Patientenwohl aus den Augen zu verlieren.

Die wichtigsten Fragen zu HÄPPI

Gehen mit der Transformation zum HÄPPI Änderungen für die Patientinnen und Patienten einher?2026-03-05T09:55:58+01:00

Im HÄPPI werden die Patientinnen und Patienten über die Abfrage der Patient-Reported-Outcomes (PRO) aktiv in die Behandlungskette einbezogen. Das bedeutet, die Patientin oder der Patient kann über eine Abfrage ihre/seine subjektive Wahrnehmung zum Therapieerfolg beitragen.

Wie soll das Konzept konkret umgesetzt bzw. in die Fläche gebracht werden?2026-03-05T09:55:20+01:00

Der HÄV Baden-Württemberg plant die Pilotierung von ersten HÄPPI in 2024 und wird diese auch wissenschaftlich begleiten lassen durch ein externes Institut, um aus der Evaluation Optimierungspotenziale für die Weiterentwicklung der HÄPPI zu ziehen.

Haben nur Großpraxen einen Vorteil durch die Gründung eines HÄPPI?2026-03-05T09:54:07+01:00

Die HÄPPI-Kernelemente zielen auf eine bedarfs- und zukunftsorientierte hausärztliche Versorgung ab, die in jeder Hausarztpraxis unabhängig von der Praxisgröße umgesetzt werden können. Derzeit zeigt der Trend, dass der hausärztliche Nachwuchs gerne in Teams arbeiten möchte und sich mehr interprofessionelle Zusammenarbeit wünscht, alles Voraussetzungen die vor allem größere Praxisstrukturen bieten können. Gerade für kleine Praxiseinheiten, die für die Versorgung weiter wichtig bleiben, bietet HÄPPI eine Alternative die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Wird die Transformation zum HÄPPI finanziell unterstützt?2026-03-05T09:53:33+01:00

Wir befinden uns derzeit im Austausch mit innovativen Krankenkassen, um eine monetäre Unterstützung innerhalb der hausarztzentrierten Versorgung nach § 73b SGB V.

Was zeichnet ein HÄPPI aus? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?2026-03-05T09:52:47+01:00

Als Kernelemente gelten:

  • die Berücksichtigung von Patient-Reported-Outcomes (PRO)
  • eine interprofessionelle hausärztliche Teamstruktur mit Personen eines nicht-ärztlichen, akademischen Gesundheitsberufes und internen Regelungen zur erfolgreichen Zusammenarbeit
  • die Integration digitaler Konzepte und hybrider Versorgungsmodelle
  • Kooperation mit weiteren Akteuren im Gesundheitswesen auf Grundlage verbindlicher Regelungen
Wer ist das HÄPPI-Kernteam?2026-03-05T09:52:10+01:00

Das Kernteam besteht aus mindestens einer hausärztlichen Direktorin oder einem hausärztlichen Direktor sowie mindestens einer Person mit einem nicht-ärztlichen akademisierten Gesundheitsberuf.

Wer darf ein HÄPPI gründen?2026-03-05T09:51:49+01:00

Ein HÄPPI kann von einer Hausärztin oder einem Hausarzt gegründet werden, der als ärztliche Direktorin oder ärztlicher Direktor im HÄPPI agiert. HÄPPIs sollen die hausärztlich inhabergeführten Praxen stärken und nicht die Gewinnförderung von Investoren antreiben.

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